Ihr Mund ist geöffnet, die bedrohlich geblähten Nasenlöcher sind es sowieso. Alle Atemwege auf Durchzug. Die Ewigkeit einer Zehntelsekunde blickt sie mir stumm in die Augen, um dann endlich, endlich ihr Schweigen über das gezeigte Foto zu brechen: «Das ist kein Gemüsesträusschen für die Blumenvase», sagt sie, um sogleich anzufügen: «Da haben wir den Salat!» Und wieder weiss keine Sau, ob sie das zynisch gemeint hat oder komisch oder sonst wie. Wahrscheinlich meinte sie es gar nicht. Das sähe ihr am ähnlichsten.

Führt die Feder wie ein Filiermesser: Andreas Turner, Journalist, Corporate Publisher, Buch-Autor und seit 2015 Mitinhaber der RedAct Kommunikation AG. Was ihm missfällt, wird fachgerecht zerlegt und landet auf dem brandheissen Grillrost seiner «BadAss»-Kolumne. Und das muss weder mit dem Thema BBQ in Verbindung stehen, noch mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
Führt die Feder wie ein Filiermesser: Andreas Turner, Journalist, Corporate Publisher, Buch-Autor und seit 2015 Mitinhaber der RedAct Kommunikation AG. Was ihm missfällt, wird fachgerecht zerlegt und landet auf dem brandheissen Grillrost seiner «BadAss»-Kolumne. Und das muss weder mit dem Thema BBQ in Verbindung stehen, noch mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Wenn Daniela Lager, 51, die Nachrichtensendung «10 vor 10» am Schweizer Farbfernsehen moderiert, ist die Geisterstunde um 130 Minuten vorverlegt. Ihre Texte wirken wie ein rezeptfreier Tranquilizer. Suchtgefährdet sind ausnahmslos Männer, die in den Kontaktspalten von Grossstadtmagazinen um Spezialbehandlung bitten. Für solche Typen hat die Leutschenbacher News-Domina genau das Richtige: 25 Minuten Kälte, die ihre Bewunderer mit Professionalität verwechseln. Jede Nacht rächt sich die Eisprinzessin in den Wechseljahren so für alle Demütigungen der Vergangenheit.

Manchmal glänzen an solchen Abenden ihre Lippen. Ihre Texte tun es nie.

Daniela Lager hat sich viel anhören müssen, seit sie zum ersten Mal vor Mikro und Kamera treten durfte. Radio Munot interviewte sie als personifiziertes Christkindli, eine ihrer ersten öffentlich verbreiteten Peinlichkeiten. Und mit ihrer journalistischen Null-Lösung, hiess später das Verdikt bei «Tele Züri», verkämen die «Züri-News» zur «Sendung mit der Maus». Die Vorurteile waren umso furchtbarer, als sie später von der Realität spielend übertroffen werden sollten.

Heute will es keiner gewesen sein. Niemand weiss mehr zu sagen, wie die heutige Blonde mit der strengen Bob-Frisur überhaupt zu ihren medialen Spitzenjobs – vom «Mittagsmagazin» über die «Tagesschau» bis zu «10 vor 10» – kommen konnte. Sie selbst glaubt, dass Events wie die vom Lokalradio begleitete Eröffnung der Mehrzweckhalle Oberhallau ihr geholfen haben, den eigenen Horizont zu erweitern. Entsprechend fällt eine «10 vor 10»-Moderationsschicht mit ihr aus: Journalismus aus der Holzklasse. Manchmal glänzen an solchen Abenden ihre Lippen. Ihre Texte tun es nie.

Ihre Interviews haben diesen Namen nicht verdient.

«Frankreichs Präsident Hollande vollzieht eine Pirouette», begrüsst sie mich am Donnerstag. Wie, wieso, auf welchem Eisfeld? Daniela Lager lebt, wie sie moderiert: spiessig-chic-belanglos. Hoffentlich hängen ihre Bilder in der Zürcher Stadtwohnung, wo sie mit Mann Ahmed und zwei Kindern lebt, nicht so schief wie ihre Sprachbilder vor der Kamera. Bereits zur Legende wurde ihr verkehrstechnischer Ausflug in die Body-Art-Studios dieser Welt: «Was in London, Oslo und Stockholm funktioniert, wäre auch in der Schweiz möglich: das Road-Piercing.» Autsch!

«Banker als Touris», quält mich ihre Schlagzeile am Freitag. Selbst die merkwürdigste Meldung liest Daniela Lager wie eine Regierungserklärung vom Teleprompter ab. Jedes Lächeln scheint ihr Schmerzen in der Unterleibsgegend zu verursachen. Aber sie leidet gern. Der schwarze Grundton ihres Outfits korrespondiert gekonnt mit der Weltlage. «Syriens Infrastruktur versinkt in Schutt und Asche.»

Ihre Interviews haben diesen Namen nicht verdient. Die Live-Gespräche geraten regelmässig zum Glücksspiel. Dazu stemmt sie beide Arme energisch auf den Tisch oder nestelt an einem kostbaren Schreibstift herum. «Wie ist das Glas der Masseneinwanderungsumsetzung heute?», fragt sie Christoph Blocher. «Halb voll oder halb leer?» Egal. Manchmal kann ich mit den Antworten nichts anfangen, doch viel häufiger habe ich schon Probleme mit ihren Fragen.

Einem drohenden Lager-Schaden lässt sich zum Glück elegant ausweichen. Gut, gibt’s den grossen, roten Knopf an der TV-Fernbedienung. «Aus!» Endlich erlöst. Da sitz’ ich lieber im Dunkeln – es ist ja bald Geisterstunde – und werfe noch ein paar Säue vor die Perlen. Oder so ähnlich.

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